Eine Korrektur beinahe sämtlicher Gliedmaßenfehlstellungen sowie Extremitätenverlängernungen sind möglich. Längen-, Achs- und Drehfehlstellungen können einzeitig oder mittels Kallusdistraktion korrigiert werden.

Folgende Techniken kommen u.a. zur Anwendung:

  • Plattenosteosynthese(z.b. Tomofix®)
  • Ilizarovtechnik (Spatialframe®)
  • Verlängerungsmarknagel (ISKD®)
  • Wachtumssteuerung :(Hemi-)Epiphyseodese

Kosmetische Chirurgie am Knochen oder funktionelle Notwendigkeit?

Wem sind nicht O-beinige Fußballspieler oder ein schiefer, hinkender Gang durch ungleich lange Beine im Gedächtnis. Durch orthopädisch chirurgische Operationen kann beiden geholfen werden. Denn krumme und ungleich lange Beine sind nicht nur kosmetisch störend ,sie führen auch zu frühzeitigem Gelenksverschleiß und damit zu Schmerzen.

Verbesserte OPTechniken und moderne Implantate konnten bewährte Korrektur- methoden für den Patienten sicherer und schmerzärmer werden lassen.

Fehlstellungen der Extremitäten, das heißt krumme, verdrehte oder auch ungleich lange Beine sind meist unfallbedingt, können aber auch durch eine Wachstumsstörung entstehen.

Zunächst gilt es festzustellen welcher Art die Deformität ist. Das heißt liegt ein Achsfehler, zum Beispiel O- oder X- Beine, ein Längenunterschied oder eine Verdrehung vor.
Die Art der Fehlstellung bestimmt auch die chirurgische Methode zur Korrektur.

So können Längenunterschiede bis zu 8 Zentimeter mittels sogenannter Kallusdistraktion ausgeglichen werden. Einfache Achsfehler ,wie O oder X Beine werden meist in einer Operation korrigiert, der Knochen wird durchtrennt , wieder korrekt zusammengefügt und mittels moderner hochstabiler Plattensysteme stabilisiert.

Überblick über die derzeitigen Korrekturmöglichkeiten geben:

  1. Ilizarov Technik – wie der Knochen wieder zum wachsen gebracht wird:
    Bereits in den 1980iger Jahren ist diese Methode aus der damaligen Udssr nach Europa gekommen. Die sogenannte „Ilizarow Technik“ benannt nach ihrem russischen Entwickler revolutionierte die Korrektur von fehlgestellten Gliedmaßen.Wie funktioniert diese Technik:
    In Ringen wird der an geplanter Stelle durchtrennte Knochen über gespannte Drähte stabilisiert, so wie die Achse eines Speichenrades.Über die Ringverbindungen kann nun die Knochenneubildung in gewünschter Richtung gesteuert werden. Auf diese Art sind Längen , Achs und Drehkorrekturen möglich. Eine computerunterstützte Steuerung dieses Vorganges macht neuerdings auch schwierige Fehlstellungen auf Grad und Millimeter exakt korrigierbar.
    Funktionelle Ästhetik durch Extremtätenkorrektur: Mittels dieses Systems sind praktisch alle Korrekturen möglich, sowohl Knochenverlängerungen, Kippungen, wie auch Drehungen. Krumme, ungleich lange Beine können wieder gerade und gleich lang werden. Der kosmetische und funktionelle Gewinn kann groß sein.
    Allerdings müssen die Belastungen und Risken gegenüber dem für den Patienten zu erwartenden Gewinn abgewogen werden.
    Eine Beinverlängerung ist nur um einen Millimeter pro Tag möglich.Das Festwerden des Knochens dauert weitere zwei bis drei Tage pro Millimeter. Eine Verlängerung um drei Zentimeter benötigt damit vier bis sechs Monate. Ein „Externes Stabilisierungssystem“(z.B der IlizarowApparat) muß diese Zeit über am Patientenbein montiert bleiben.
    Das heißt für den Patienten tägliches Reinigen der Wunden und des Apparats, Einschränkungen in der Mobilität und Kleidung,sowie regelmäßige Kontrollen beim Arzt.
  2. Beinverlängerung durch Verlängerungsmarknägel:
    Über verlängerbare Marknägel, die neueste Entwicklung in diesem Gebiet ,sind Beinverlängerungen noch einfacher .Verlängerungen bis zu 8 cm sind möglich. Der für den Patienten lästige äußere Stabilisierungsapparat fällt weg.Wie funktioniert dieses System: Der Ober – oder Unterschenkelknochen wird an geplanter Stelle durchtrennt und mittels Marknagel stabilisiert. Das besondere an diesem Nagel ist seine Verlängerbarkeit. Über einen eingebauten Ratschenmechanismus werden kleine Drehbewegungen über eine Gewindestange in Längengewinn umsetzt. Für den Patienten fällt damit das monatelange behindertsein durch einen äußeren Stabilisierungsapparat weg. Unsere Erfahrungen zeigen ,dass dieses System zwar für den Patienten angenehmer ist,für den Behandler aber weniger Flexibilität bedeutet. Sämtliche Korrekturen müssen zum Zeitpunkt der Nagelimplantation festgelegt werden. Nachkorrekturen sind keine mehr möglich. Die geplante Verlängerung wird am Nagel eingestellt und mittels eines Sensorsystems der Fortschritt vom Patienten selbst überwacht.
  3. Einfache O-Beine sind durch neue Implantate sicher korrigierbar:
    Geringer ausgeprägte Achsfehler wie O – und X-Beine sind kosmetisch meist nicht so störend. Trotzdem bedeuten sie ein erhöhtes Risiko für das Entstehen von Gelenksbeschwerden . Eine schlechte mechanische Achse kann durch Überlastung eines Kniegelenksabschnittes zu vorzeitigem Knorpelverschleiß ,das heißt Arthrose führen. Die Korrektur der Beinachse ist die chirurgische Methode der Wahl zur gelenkserhaltenden Arthroseprophylaxe und Therapie. Einfache Korrekturen werden einzeitig,das heißt in einer Operation durchgeführt. Wie geschieht das: Der Knochen wird am geplanter Stelle durchtrennt und in korrigierter Stellung wieder durch moderne ,äußerst stabile Plattensysteme wieder verbunden.Der Patient darf ab am nächsten Tag wieder aufstehen und teilweise belasten. Nach meist weniger als einer Woche kann er das Krankenhaus verlassen.Wenn notwendig können eine Vordere Kreuzbandplastik oder Knorpelchirurgische Maßnahmen (Knorpeltransplantation und Implatation von gezüchtetem Knorpel) in einer Sitzung durchgeführt werden.Chirurgische Knochenkorrektur soll für den Patienten mehr sein als ein kosmetischer Eingriff. Sie soll die Funktion eines Körperteils verbessern und wiederherstellen und so ein Leben ohne Schmerzen ermöglichen.